Dienstag, 27. August 2013

Ihr Koffer ist zu schwer!

Die letzten Tage in Bochum waren ein auf und ab. Zwischen Abschiedsparty-Hochstimmung und tollen letzten gemeinsamen Freundes-Aktivitäten gab es einige Fast-Nerven-Zusammenbrüche beim Kofferpacken. Da wird einem auf einmal klar, dass man ja wirklich weg geht, wenn das Zimmer plötzclih leer ist. Oder fast leer. Weil ja noch alle Sachen rumliegen, die eigentlich in den Koffer sollten, für die jetzt aber doch kein Platz mehr zu sein scheint.
Also. Fast fertig gepackt, Koffer gewogen: 28 Kilo. Fuck. Ich darf aber nur 23. Überforderung. An dieser Stelle ein Hoch auf alle, die mir geholfen haben aus den 28 kg vermeintliche 25 zu machen. Es gibt ja den "Gepäck leichter machen Knopf" (Vor allem wenn man nett und verzweifelt aussieht). Und alles schwere ins Handgepäck. Laut verschiedenster Erfahrungsberichte wird das sowieso nie gewogen.
Naja. Dann einen tollen letzten Abend in Bochum verbracht.

Am Abreisetag bin ich halb 8 aufgestanden um nochmal 2 1/2 Stunden am Morgen im Wartezimmer eines Arztes zu verbringen um dann 2 Minuten meinen Rücken eingerenkt zu bekommen, jetzt konnte es losgehen.
Ein fast tränenloser Abschied. Zumindest in der Wohnung.
Am Flughafen sah das dann ganz anders aus. Noch vor der Gepäckaufgabe war plötzlich alles vorbei. Gut, dass ich viele Taschentücher dabei hatte.
So. Wieder beruhigt. Gepäckaufgabe. Koffer aufs Band gewuchtet. Hoffentlich drücken sie den Knopf.
Die Frau schaut mich an: Der ist zu schwer. Das wissen Sie oder? Ich dachte... naja. 2 Kilo? Kann man doch mal drüber hinweg sehen. Schiele auf die Anzeige: 28,8 Kilo. Ich hatte kurz das Bedürfnis zu schreien, weil sich scheinbar kleine Kobolde in meinen doch so schön leichter gemachten Koffer gesetzt haben, um ihn doch wieder auf die ursprünglichen 28 kg zu bringen. Aber ich hab mich zusammengerissen und mit netter aber verzweifelter Miene gesagt: Wirklich? (Bitte drück den "Gepäck leichter machen Knopf" von dem ich so viele wunderbare Dinge gehört habe). Naja. Sie haben ja noch genug Zeit. Da können Sie ja noch was auspacken.
Bam. Von wegen Knopf. Scheiße. Aaaaaaaah! Auspacken. Was denn noch? Meine Schlüpfer? AAAAAAaaaaaah!
Ich versuchs.
Also hab ich mich an die Seite gesetzt. Zweiter Fast-Nerven-Zusammenbruch. Zum Glück war Jurim ja auch noch da und hat mich tatkräftig unterstützt alles was ging irgendwie noch rauszuholen und ins Handgepäck zu verfrachten. Puh. Geschaft. Das muss reichen. Koffer auf die Wage: 27 kg.
Dritter Fast-Nerven-Zusammenbruch. Trennung von vielen schönen Dingen. Weiteres Stopfen ins Handgepäck. Zum Glück wiegen die das nicht. Nur um die Größe mach ich mir langsam Sorgen. Keine Ahnung ob das noch in die Maße reinpasst.
Fertig gestopft. Sachen geopfert, die doch zu Hause bleiben müssen. Koffer auf die Waage: 23,3Kilo uuuuuuuuuund.... er bekommt das Band und fährt davon. Aber Haaaaaaalt. Wenn 23,3 durchgehen, dann doch sicher auch 23,5.... dann kann ich doch noch.... neeeeeeeeeeein. Weg ist er.
Erleichtert gehe ich zurück zu meinem Handgepäck, will grade den Rucksack zumachen, da meint die Frau am Schalter: So. Jetzt stellen Sie mal ihr Handgepäck auf die Waage.
Vierter Fast-Nerven-Zusammenbruch.

Naja. Den Rest erspare ich euch. Natürlich war es zu schwer. Viel zu schwer. Also wieder alles raus und Jurim hat mein halbes Gepäck wieder mitgenommen. Aber bei 10 statt 8 Kilo hat die Frau dann gesagt, es wäre okay.
Dass dafür meine Laptoptasche jetzt auch ca 20 Kilo gewogen hat, hab ich ihr mal nicht erzählt.
Also hatte ich endliich alles Gepäck beisammen. Kurzer weiterer Zusammenbruch beim verabschieden von Jurim. Dann durch die Sicherheitskontrolle. Man man man. Nachdem ich meine 4 Kästen vollgepackt habe mit allen Sachen, die ich noch so an mir trug und ausziehen musste und Laptops, die ich aus den Taschen holen musste, hat es wenigstens nicht gepiept bei mir. Erleichtert packte ich meine Sachen wieder ein. Nur mein Rucksack fehlte noch. Wo ist er denn? Ah. Dort bei dem netten Mann, der mich zu sich winkt. Wie schön. Ich zog meine 3 Schichten wieder an. Legte meine anderen 3 Jacken professionell über den Arm packte meine Taschen wieder ein und marschierte vollkommen sicher, da ich mir keiner Schuld bewusst war (außer dem leichten Übergewicht, was aber offiziell genehmigt wurde) zu dem netten Herrn in Uniform. Er fragte: Was haben Sie denn in dem Rucksack hier?
Ich ließ mir kurz die ganzen Umpack-Aktionen durch den Kopf gehen und veruschte mir in alphabetischer Reihenfolge alle Dinge ins Gedächtnis zu rufen, die ich vorhin in Verzweifelung hineingestopft und herausgenommen habe. Was kam nochmal zwischen den Hackysacks und dem Handyladekabel?
Diverses. sagte ich also. Er fragte ob er mal hineinschauen kann. Na das kann ja lustig werden. Er wühlte und wühlte, zog mein Handyladekabel heraus und.... ach genau. die Handtücher waren es. Die holt er auch raus. Und dann die Hackysacks.
Er nahm einen in die Hand und untersuchte ihn (bestimmt um rauszufinden, ob Drogen drinne sind... an sich keine schlechte Idee). Was ist das?
Ich erklärte ihm also die Funktionsweise eines Hackysacks. Als nächstes zog er mein Ligretto-Kartenspiel heraus und versuchte die Schachtel aufzubekommen. Ich: Das ist ein Kartenspiel.
Er: Kartenspiel? Aber alleine spielen Sie doch keine Karten.
Ich starrte ihn kurz mit großen Augen an und wusste nicht so genau was ich sagen sollte... Nur weil ich alleine reise, heißt das doch nicht, dass ich mein ganzes Leben lang allein sein werde?! Niemals werde ich Leute kennen lernen, die mit mir Karten spielen wollen...

Als ich kurz davor war in Tränen auszubrechen packte er das Spiel wieder ein und sagte, ich könne den Rucksack wieder zumachen. Ich nickte und packte alles wieder ein. So. Ein letztes Mal Jurim winken, der tapfer hinter der Glaswand gewartet und still beobachtet hat und dann ab zum Boarding. Ab hier ging alles gut und ich saß auch nicht zwischen zwei übergewichtigen alten Frauen, die sich die ganze Zeit lauthals über meinen Kopf hinweg unterhalten haben. Abgestürzt bin ich auch nicht. Sogar den Bus nach Tarragona hab ich am Flughafen in Barcelona dann mit nur 3 Mal fragen gefunden.
Letzte Etappe: Schlüssel abholen und zur Wohnung. Bei über 30 Kilo Gepäck ein Taxi? Ach was. Es sind ja laut google Maps nur 450 Meter bis zum Schlüssel.
450 Meter Bergauf. Mit einem 23 Kilo schwerem Rollkoffer an dem mittlerweile auch noch meine ca 20 Kilo schwere Laptoptasche hing. Meinen Rucksack eingeschlossen musste ich also mein Eigengewicht plus fast mein Eigengewicht einen Berg hochwuchten. Hab aber dann den Schlüssel auch gleich bekommen.

Ein Blick auf meine Google maps Karte sagt mir, dass es jetzt bis zur Wohnung auch nur noch 1 Kilometer ist. Da nirgendwo in der näheren Umgebung ein Taxi zu sehen war, dachte ich, wenn ich 450 m schaffe, schaffe ich auch 1 km.
1 km bergauf.
Nachdem ich noch von ein paar älteren Herren belustigt darauf angesprochen wurde, wie stark ich bin und dass ich wohl viele Muskeln bekommen werde, kam ich endlich endlich endlich vor der Tür an. Ich schloss auf: Ach ja. Es gibt ja kein Licht im Flur. Wo hab ich denn... meine Taschenlampe? Rucksack? Koffer? Laptoptasche? Im Halbdunkeln durchwühlte ich mein Gepäck und wurde natürlich nicht fündig. Also habe ich nacheinander erst Rucksack und dann Koffer die schmale Treppe im Stockdunkel in den 3. Stock gehievt. Dann konnte ich nur noch hoffen, dass ich das richtige Stockwerk erwischt habe. Fummelte im Dunkeln den Schlüssel ins Schloss und war: Zu Hause. Ich drückte den Lichtschalter und nichts tat sich. Oh nein. Erneuter Versuch meine Taschenlampe zu finden. Kein Erfolg. Ich taste mich in die anderen Zimmer und drückte da die Lichtschalter. Kein Erfolg. Strom abgestellt? Sicherungen!
Ich taste mcih im zurück in den Flur, fand spontan einen Kasten neben der Tür, schob den Schalter nach oben und die Wohnung strahlte im hellen Licht. Ich war überglücklich und erleichtert.
Der Rest des Abends im Schnelldurchlauf: Duschen, Spaghetti kaufen, Essen, Internet in Gang bringen, Lebenszeichen von mir geben, totmüde ins Bett fallen.

Das war die erste Episode meines Abenteuers.
Ich bin gespannt auf weitere, aber dafür muss ich jetzt endlich mal mein Bett verlassen.

Kommentare:

  1. Oha... was für ein Stress noch vorm Abflug. Aber hat ja alles geklappt und ich freu mich dass du trotzdem gut angekommen bist. Du wirst uns hier fehlen, aber in 4 Monaten sind wir bei dir :)
    Hab einen schönen ersten Tag und wenn du verzweifelst, dan meld dich einfach bei uns!

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  2. Ach mein herziges Örlipups! Das klingt ja alles ganz fürchterlich aufregendst! Ich bin, wie Freddy, natürlich auch froh, dass du gut landetest und werde dich ebenso schmerzlichst vermissen. Aber sieben MOnate sind ja auch fast gar nicht mal so lang. Erhol dich mal jetzt gut von deinen Reisestrapazen. Ich erwarte gespannt deinen nächsten Bericht. :-*

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